Das Hain-Pflegewerk

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Ein Naturschutzgebiet im Gartendenkmal

Seit 1975 gehört der Hain zur offiziellen Denkmalliste der Stadt Bamberg.

Wie kaum ein anderer Bürgerpark inmitten der Stadt, beherbergt der Hain jedoch im Gartendenkmal ein europaweit bedeutsames Naturschutzgebiet. Dieses Naturschutzgebiet wurde 2001 in das europaweite Netz bedeutsamer Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen als FFH-Gebiet aufgenommen.

Filigrane Denkmäler im Wandel der Zeit

Als Gartendenkmal überliefert uns der Hain gartenkünstlerische Ideen verschiedener Zeitepochen. Einzelne Gestaltungsprinzipien lassen uns die Entwicklung der Gartenkunst nachvollziehen.

Allerdings verändern sich Gärten im Lauf der Zeit, ihre gestalterischen Elemente unterliegen einem ständigen Wandel. Deshalb sind Pflege und auch korrigierende Eingriffe wichtige Maßnahmen zur Erhaltung von Gartendenkmälern.

Im Vergleich zu Bauwerken wohnt Gärten ein anderer Stellenwert als Denkmal inne. Einer gewissen Geringschätzung ist deshalb der Qualitätsverlust vieler Parkanlagen zuzuschreiben, man denke nur an den Bau der Südtangente mitten durch den Hain.

Talbrücke (erbaut Anfang der 1970-er Jahre) - dominante "Grenze" zwischen Theresien- und Luisenhain - mit dem Hollerbach als "moderne Wasserlandschaft" (Architekturpreis des BDA's) und historischem Monopteros.

Parkpflegewerk

Zur Pflege und Unterhaltung eines Gartendenkmals im Hinblick auf seine historischen Eigenschaften, wurde in den 1980er Jahren das Instrument des Parkpflegewerks entwickelt. 

Anhand der Entwicklungsgeschichte und des heutigen Bau- und Vegetationszustandes werden zukünftige Entwicklungsziele formuliert und Pflegemaßnahmen abgeleitet.

In beispielhafter Weise berücksichtigt das Parkpflegewerk für den Hain (Auszug) Denkmalschutz und Naturschutz gleichrangig.

... für das Gartendenkmal

Zur Pflege des Gartendenkmals werden beispielsweise Bäume entsprechend der historischen Vorbilder nachgepflanzt. So wurden im nördlichen Eingangsbereich in den Theresienhain Linden in der Stengelallee ersetzt oder der Eichenkranz an der Schillerwiese wurde als "Hainattraktion" im Luisenhain wiederbelebt.

Zur Wiederherstellung von Sichtachsen wurden aber auch Bäume wie z.B. in der Umgebung des Monopteros gefällt. Historische Gebäude wie der Ruhetempel an der Schillerwiese konten saniert werden. - Aktueller Zwischenruf: Ein Windbruch hat durch den Baumsturz Dachteile zerstört. Die erneute Restaurierung steht noch aus.

Auch Wege oder vorgelagerte Plätze werden instand gehalten oder entsprechend ihrer ursprünglichen Wegeführung rückgebaut und verlagert.

... für den Naturschutz im Gartendenkmal

"Großer Eichenbock" sehr groß: 3D-Modell Nähe der Buger Spitze.

Die Auwald ähnlichen Gehölzbestände im Hain beherbergen eine Vielzahl an Vogelarten und Fledermauspopulationen. Alte Eichen sind Lebensraum für europaweit bedrohte Käfer, so den Held-/Eichenbock, den Hirschkäfer oder den Eremit. Tote Bäume im Hain sind deshalb nicht auf eine mangelnde Pflege zurückzuführen, sondern ihr Erhalt wird im Parkpflegewerk als Schutzmaßnahme für die seltenen Käfer festgelegt - praktizierter Naturschutz im Bürgerpark.

Weitere Informationen zum Hain-UrEinwohner "Großer Eichenbock" auf Seite "Fauna" und hier per "Klick".

Auch die seltene Mahd auf der Schillerwiese ist eine Maßnahme für den Artenschutz. Nur auf blumenbunten Flachland-Mähwiesen finden anmutige Schmetterlinge wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling Nahrungs- und Bruthabitate. Würde man diese Wiesen regelmäßig kurz mähen, könnten die Kräuter nicht blühen und vielen Kleinlebewesen wäre der Lebensraum genommen.

Nicht nur für das Auge etwas Besonderes, vielmehr im Frühjahr als Nahrungsquelle relevant für Fluginsekten: Der Lerchensporn (Corydalis). Als Frühblüher hat er sich wie ein großer Teppich über die Jahrzehnte - insbesondere im Luisenhain - zwischen den Laubgehölzen ausgebreitet. Eine seltene botanische Eigenart ist dabei die verträgliche Nachbarschaft von drei Arten des Lerchensporns: cava (hohler L.), solida (gefingerter L), intermdia (mittlerer L).

Der Bamberger hat diese Pflanzengattung mit einer speziellen Benamung geehrt: Das "Haingögerla" - "Gögerla" steht für "kleiner Gockel". Reminiszenz: In dem einen oder anderen urigen Bamberger Gasthaus steht auf der Karte "Gögerla". Das ist dann aber auch tatsächlich ein schmackhaftes Hähnchen!

Entwicklungsstufen.

Durch Pläne zum Bestand, der Zielvorstellungen und verschiedener Entwicklungsstufen des Hains in der Vergangenheit gewinnen Sie Einblick in die Umsetzung des Parkpflegewerkes.

Bestandsplan

Zielplan

Entwicklungsstufen (19. Jhd. bis heute)

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